“S wie Sachzwänge!”

Posted Februar 20, 2007 by saumselig
Categories: Sachzwänge, Universität

Ich lese ja hin und wieder das offizielle Blatt der FU. Mein Motto ist da ja eher “Knowest thy enemy and though shallt prevail” (angeblich Dschingis Khan), sagen wir mal, mein Verhältnis zur Universität als Institution ist verbesserungswürdig.

Außerdem brennt das Blatt wesentlich besser, seit es nicht mehr auf Hochglanz ist, sondern aus simplen Zeitungspapier. Es gibt nichts besseres, um den Ofen anzuheizen. Nein, ich meine das nicht im übertragenen Sinn, es gibt sie noch, die Kohleöfen.

Ich habe schon mal drüber nachgedacht, was die Universität sich wohl so zum Jahr der Geisteswissenschaften einfallen lässt:
“Ups, da hatten wir mal was… ?” oder:
“Irgendwo müssen die doch noch sein, Moment, ich bin mir sicher, ich habe die eben irgendwo hier hin verlegt… !”

Nein, es ist ein großes, blau-weißes Plakat an der Rostlaube: “F wie Freiheit!”
(Ha-ha, wie lustig, Freiheit an der Freien Universität, da haben wir ja ein tolles Wortspiel!)

“”F wie Freiheit” bezieht sich nicht nur auf das Motto der Freien Universität - Veritas Iustitia Libertas - sondern steht vor allem für die Freiheit der Wissenschaft, Forschung und Lehre sowie die Freiheit des Denkens.”

Zum Glück war Fasching, da können wir uns ja alle lustig verkleiden, aber da heute Aschermittwoch ist, schlage ich vor, das Plakat abzuhängen und alternativ in rot-weiß: “R wie Rotstift!” oder in schwarz-weiß “S wie Sachzwänge!” aufzuhängen. Denn Freiheit, das war mal.

Einen Tag faulenzen ist OK, aber nie zwei Tage in Folge!

Posted Februar 19, 2007 by saumselig
Categories: Aufschieben

Angefangen, mit dem Aufschieben aufzuhören, habe ich vor etwa 9 Monaten. Wie bei allen schlechten Angewohnheiten ist es leider so, dass dieses Verhalten immer wieder zurück kommt. Im ersten Moment ist einem nicht klar, dass es wieder passiert ist, und dann ist es schon zu spät.

Mein Ziel ist es, nicht mehr nur passiv zu konsumieren, also Nachrichten, Blogs und Comics zu lesen, ein paar Podcasts zu hören und ein paar Videos anzusehen, und der Tag ist wieder vorbei, sonder aus dem, was ich erfahren habe, wieder etwas herzustellen. Es reicht nicht, Inspirationen für neue Ideen zu finden, sondern es gehört dazu, diese Ideen auch “zu Papier” zu bringen, eben produktiv zu sein, und sei es nur für dieses Blog.

Momentan bin ich ein wenig erkältet, nichts schlimmes, aber ich werde von so etwas immer so müde, und wenn ich müde bin, falle ich in schlechte Gewohnheiten zurück. Dann kommt ein großes Kissen übers Telefon, wenn die Welt was von mir will, soll sie eben eine e-Mail schicken.

Im zenhabits-Blog habe ich heute die “Top 20 Motivation Hacks” gefunden, und habe mir die mal durchgelesen, das Aufschieben in den Griff zu bekommen ist nicht so schwer, aber wie soll ich dabei bleiben?

Regel Nr. 6 lautet: “Halte dich an die Regel, niemals zwei Tage nacheinander ausfallen zu lassen!”. Heute ist der zweite Tag, und ich habe mir schon den Tag gestern “frei” genommen, auch wenn ich so nebenbei einiges an Hausarbeit erledigt habe, ganz gemütlich.

Also ist heute der Tag, an dem ich wieder ran muss, nein, will, und ganz, ganz wichtig ist für mich mein Wochenplan, wenn ich den habe, halte ich mich zu 90% dran, nicht unbedingt an die Reihenfolge und den Zeitplan, sondern daran, die Dinge, die ich aufgeschrieben habe, auch zu erledigen. Also werde ich den heute noch schreiben, und mir dann die restliche Woche keinen Gedanken mehr darüber machen, dass ich sieben Wochen Semesterferien vor mir habe, in denen ich vier Hausarbeiten schreiben will.

Die Person, die ich gerne wäre…

Posted Februar 17, 2007 by saumselig
Categories: Aufschieben, Bürokratie, Geschlecht

Ich versuche ja, mich von weiblichen Rollenbildern nicht beeindrucken zu lassen. Ich will nicht diesen Glanz in den Augen bekommen, nur weil ich einen Säugling oder einen Welpen sehe, um dann in Worte wie “Ooooch ist der süüüüß!” auszubrechen.
Gestern konnte ich wieder beobachten, wie das geht, ich stand auf dem Flur des Instituts und wartete drauf, dass ich in die Sprechstunde vom Professor kann. Trifft eine Studentin mit Kinderwagen auf eine wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts.

“Ach, ist das ja ein hübsches Mädchen!”
“Es ist ein Junge!”
“Aber was für ein hübscher… und dieser Mund, das sehe ich jetzt schon, das wird ein ganz Schöner …”

Die Akustik des Flurs trägt gut, ich verstehe alles gut, obwohl ich mich abwende, um dieses Rollenverhalten nicht auf mich abfärben zu lassen. Sie sucht jemanden, der ihr eine Unterschrift für die vorgeschriebene Beratung für Studenten, die etwas zu lange an der Universität sind, geben kann. Leider ist die Professorin, zu der sie wollte, nicht da, und die Mitarbeiterin kann ihr da auch nicht weiterhelfen, sie schlägt vor, es ein Stockwerk weiter oben nochmal zu versuchen.

“Dass die Studenten immer am letzten möglichen Tag mit so etwas kommen müssen… .”

Da bin ich hin und her gerissen. Schließlich warte ich auf die Sprechstunde eines prüfungsberechtigten Professors, ich müsste ihr nur sagen, dass die jetzt hier ist, das ist von außen nicht erkenntlich. Auf der anderen Seite wird sich der Professor natürlich nicht gerade freuen, das ist mir auch wieder unangenehm, er ist mir sympathisch und hat mir eine Chance gegeben, ich möchte ihn nicht verärgern.
Ich entscheide mich dazu, es der Studentin trotzdem zu erzählen, und gehe den halben Flur entlang, bevor ich wieder umdrehe und zurück gehe und mich wieder vor die Tür stelle.

Ich atme tief durch.

Ist ja nicht so, dass ich die Studentin nicht verstehen könnte. Ich kann mich sogar wirklich gut in sie rein versetzen. Ich hatte schon drei dieser Beratungen, auch wenn es einem die Professoren nicht unnötig schwer machen, wer lässt sich schon gerne mit den eigentlichen Unzulänglichkeiten konfrontieren? Bei mir war die Kombination zwischen dem Aufschieben von unangenehmen Dingen und der Introvertiertheit, wegen der ich mich vor solchen Gesprächs-Situationen fürchte, eine fast endgültige Kombination, die mich fast hochkant von der Uni hätte fliegen lassen.
Ich erinnere mich gut an meine erste Beratung, als ich in Tränen aufgelöst mitten in den Semesterferien im Institut ankam, weil ich schon eine Mahnung in einem sehr bestimmten Ton bekommen hatte, und unendlich dankbar war, dass ein akademischer Mitarbeiter mir seine Unterschrift gegeben hat, ich war in Tränen aufgelöst. Ist mir heute noch peinlich, ich hoffe, er erinnert sich nicht an mich, ich grüße ihn immer sehr höflich.
Bei der zweiten Beratung hatte ich mich zum Glück schon zum Vordiplom angemeldet, die dritte Beratung war vor kurzem, als ich meine Angst und mein Aufschieben so gut wie überwunden hatte.
Aber es sind gerade die eigenen Schwächen, die man anderen Leuten am übelsten nimmt, und ich meine, wenn sie so spät dran ist, muss sie eben auch die Konsequenzen tragen, oder nicht … ?

Ich drehe mich wieder um, und laufe hastig den Gang entlang. Die Türen vom Aufzug schließen sich gerade vor meinen Augen, ich nehme die Treppe, und treffe die Studentin im zweiten Stock und erzähle ihr von der Sprechstunde.

So wie es die Person, die ich gerne sein würde, getan hätte.

Alles wird… herausfordernder

Posted Februar 14, 2007 by saumselig
Categories: Aufschieben, Probleme, Professoren

Aufschieben ist eine tolle Sache. Ich mache dann weder das, was noch sollte, noch das, was mir Spass macht. Sondern irgend was, was mich davon ablenkt, nicht das tun zu müssen, was ich zwar tun sollte aber nicht tun will.

Wie bei jedem Hobby gibt es da natürlich gute und schlechte Seiten, die gegeneinander abgewogen werden sollten. Ich meine, wir haben einfach nicht genug Lebenszeit, all das tun, was wir gerne so tun würden. Und warum auch sollte mensch sich ein Bein ausreißen für Dinge, die sich eh von selbst erledigen? Das ist nur eine Menge Stress, der die Lebenszeit unnötig verkürzt, mit dem Ergebnis, noch weniger Zeit zu haben. Ein Teufelskreis.

Es gibt da allerdings auch noch eine weiter Kleinigkeit, das will ich nicht verheimlichen. Alles wird schwerer. Ich meine, ist schön für das Wachstum der Persönlichkeit, zu sagen, ich habe nicht den leichten Weg genommen, sondern den schweren. Den unnötig schweren. Ich habe dabei gelernt, Frustration zu ertragen, mit Hindernissen um zu gehen, Leuten etwas abzuschwatzen, sparsam zu haushalten und Kleidung selbst zu flicken. Alles tolle Sachen!

Heute war ich beim Psychologen. Auf der Couch. Nein, keine Therapie oder so was, ich wollte einen Schein abholen, zu einem Kurs, den ich vor zwei Jahren besucht habe. Bei der Universität ist das wie mit Computerhardware, sechs Monate oder ein Semester ist gleichbedeutend zu einem Jahr in der restlichen Welt. Also war der Kurs schon gefühlte vier Jahre her. Und damals gab es Unstimmigkeiten über die Ausarbeitung des Referats, und zwar über die Länge des abzugebenden Textes. Weshalb er zwar allen anderen eine Eins gegeben hatte, während er uns zwar einen Schein, aber keine Note geben wollte.

Vor kurzem habe ich unter der Überschrift “13 Things I Wish I Learned In College” folgendes gelesen:

“1. Getting to the Point – Most of the term papers I did in college were long and had minimal requirements. The last thing my boss wants to read is a 10 page report that could have been one paragraph long. Professors need to teach students to get to the point and not push for lengthy essays.”

Nun, der Professor, bei dem ich war, hat das anders gesehen. Ich hätte den Text vielleicht 1,5-Zeilig formatieren sollen. Er hat ihn nur kurz durch geblättert und die Seiten gezählt, und kam zu dem Schluss, dass er schon ausführlichere Thesenpapiere gesehen hätte. Und ob wir den wirklich selbst geschrieben hätten?
“Aber sie brauchen den Schein?”
“Ja!”
“Na gut, ich unterschreibe ihnen das…”
Ich glaube, er hatte Dankbarkeit erwartet. Ich meine, die Frage war damals, ob es einen benoteten oder unbenoteten Schein geben sollte, und jetzt soll ich mich unendlich freuen, überhaupt einen Schein bekommen zu haben? Ich habe mich trotzdem bedankt, mit dem Gefühl, die Sache falsch angegangen zu sein.

Und da ist er wieder, der Frust, und damit habe ich wieder meine Gelegenheit, meine Persönlichkeit wachsen zu lassen.

Oh, da ist der Blog-Eintrag schon zu Ende, und ich habe noch gar nicht von den schlechten Seiten berichtet…

Das Jahr der Geisteswissenschaften…

Posted Februar 13, 2007 by saumselig
Categories: Aufschieben, Probleme, Veränderungen

Im Jahr der Informatik hörte es sich noch so an, als ob Informatik was ganz tolles ist, das sehr zukunftsträchtig ist und unbedingt gefördert werden müsse.

Wenn ich jetzt allerdings höre, es sei das Jahr der Geisteswissenschaften, muss ich eher an bedrohte oder seltene Tier- und Pflanzenarten denken, die noch ein letztes Mal das Licht der Öffentlichkeit geniessen dürfen, bevor sie für immer vom Antlitz dieser Erde getilgt werden.

Soviel zum Thema subjektive Wahrnehmung. Zumindest für uns Diplomsoziologen an unserem Institut war die Vergangenheit wesentlich Ruhmhafter als unsere Zukunft, und die endet schon in zwei Jahren. Schon jetzt gibt es die ersten Masterstudierenden, deren Seminare streng getrennt von denen der Dipolomanden stattfinden.

Früher hatten wir ein eigenes stattliches Institut, etwa 40 Professoren und eben einen guten Ruf. Heute wohnen wir als ungeliebte Untermieter, mit einer Hand voll Professoren, und welchen Ruf wir auch immer gehabt haben, heute könnten wir genauso gut nicht mehr existent sein.

Der einzige Grund, warum ich mich noch an das alte Institut erinnern kann, ist, dass ich inzwischen ein wenig zu lange geblieben bin und auch noch ein wenig bleiben werden, ob es mir gefällt oder auch nicht. Ist die Universität daran schuld? Tja, so einfach ist das nicht, eine Mitschuld trifft sie sicher, es könnte sein, dass eine bessere Universität mir hätte eher helfen können. Es kann aber auch sein, dass ich eine noch schlechtere Universität schon längst abgebrochen hätte.

Was schade wäre, denn ich mache Soziologie unheimlich gerne, und wie viele Leute haben das Glück, das zu studieren, was sie lieben? Und ich ahnte auch, was der Begriff Massenuniversität bedeutet, schon als ich mich für diese Universität besonders in dieser Stadt entschieden hatte.

Was ich nicht ahnte, oder nicht wahr haben wollte, war, dass ich Probleme hatte. Ich war einfach nicht für dieses Leben jenseits aller Strukturen und Halt gerüstet, denn ich habe besonders ein großes Problem, dass alle anderen Probleme in den Schatten stellt: ich schiebe auf.

Das klingt harmlos, das macht auch so gut wie Jede(r), aber ich bin eben ein hartnäckiger Fall, ich habe zwar meine Klausuren geschafft, meine Referate gehalten – aber mir ist es 11 Semestern nie gelungen, eine einzige Hausarbeit zu schreiben. Ich kann kaum nachrechnen, wie viele Kurse ich besucht habe ohne nach der Vorlesungsfreien Zeit meine Arbeit abzugeben, um meinen Schein zu bekommen.

Hat mich in der ganzen Zeit auch nur einen einzige Person gefragt, warum ich nie eine Arbeit abgegeben habe? Nie.

Was dann passiert, ähnelt dem Prinzip, wenn ein alter Baum umstürzt und quer zu einem kleinen Bach zum liegen kommt. Am Anfang läuft das Wasser noch gut ab, aber mit der Zeit verfangen sich immer mehr kleinere Äste, Laub und ähnlicher Unrat an dieser Engstelle und das Wasser beginnt sich zu stauen bis sich irgendwann ein kleiner See bildet.

Genau so hat sich mein Leben gestaut, hinter der Unfähigkeit, Arbeiten zu schreiben, denn erst sind es nur die Arbeiten, dann fällt das Lernen für die Klausuren immer schwerer und die Referate werden immer schlampiger vorbereitet, die Texte, was vorher kein Problem war, nicht mehr gelesen, bis mensch eines Tages gar nicht mehr hin geht, in die Stätte des persönlichen Versagens.

Ich bin schuld, ich habe mir selbst ein Bein gestellt. Ich habe mein ganzes Leben lang das Erledigen von unangenehmen Aufgaben hinausgeschoben, so weit es ging, ich habe vermieden, irgend etwas für die Schule zu tun, selbst wenn mich die Fächer interessierten, und ich bin einfach gelebt, ohne Vorstellung davon, wo meine Talente und Interessen liegen könnten und was mein Ziel sein könnte.

In der Zukunft, wie ich sie jetzt sehe, hätte ich nie studiert, und wenn, dann wäre ich schon nach wenigen Semestern wieder rausgeflogen. Die Chance, die ich hier hatte, einfach etwas länger zu brauchen, um meinen Weg zu finden, hätte ich dann nicht gehabt.

Aber ich bin kein hoffnungsloser Fall, denn ich kann mich verändern. Ich habe lange dazu gebraucht, meine Probleme anzugehen, um Hilfe zu bitten, denn ich bin auch noch sehr introvertiert, auch wenn meine Freunde immer den Kopf schütteln, wenn ich ihnen das erzähle. Aber jetzt kämpfe ich, um meinen Abschluss zu bekommen, um in dem Feld meiner Interessen trotz des verhunzten Lebenslaufes arbeiten zu können.

Dieses Blog soll einen Einblick in mein Leben geben, um eine Geschichte zu erzählen, die gerade passiert. Ich lebe in interessanten Zeiten, und ich werde davon berichten.